Wenn Tierliebe zur Qual wird

Schon wieder haben vermeintliche Tierfreunde einen krassen Fall von Tierquälerei auf dem Gewissen. Ein Wolf musste nach einem Verkehrsunfall eine Dreiviertelstunde lang leiden, bis er endlich seinen Verletzungen erlag.

Getöteter Wolf im Landkreis Vechta

Foto: Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta

An solche Szenen müssen wir uns wohl gewöhnen: Wie jetzt im Landkreis Vechta in Niedersachsen liegt ein Tier unrettbar am Straßenrand und der anwesende Jäger muss ebenso wie die Polizei dem Leiden tatenlos zusehen.

In diesem Fall ging es um einen Wolf. Das macht die Sache noch komplizierter und noch trauriger: Vor lauter Rechtsunsicherheit wagte niemand, den jungen Rüden zu erlösen. Der zum Unfallort gerufene Jäger nicht, die Polizei nicht und auch der Amtstierarzt nicht.

Die Sache könnte eigentlich klar sein. Es gibt den „übergesetzlichen Notstand“, der wohl auch gilt, um unsinnige Tierquälerei zu beenden. Aber wer wagt es schon, angesichts der aufgeregten Debatte in den Wolfsregionen das Notwendige zu tun?

Was im Landkreis Vechta passierte, ist Wasser auf die Mühlen der Leute, die fordern, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Aber hätte das die Situation für den herbeigeeilten Jäger erleichtert? Gegen Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen hilft vermeintliche Rechtssicherheit jedenfalls nicht.

Ganz ähnliche Szenen nach Unfällen mit Rehwild oder Sauen zeigen: An solchem Tierleid ist nicht die Rechtsunsicherheit schuld, sondern ein Zeitgeist, dem das vermeintliche Tierwohl über alles geht. Die Nerven, unter „Mörder“-Geschrei einen Fangschuss abzugeben, gibt’s wohl nur in der Theorie. Und in der Praxis obendrein womöglich eine Strafanzeige, weil sich jemand durch den Schuss gefährdet fühlte.

Von schwedischen Verhältnissen sind wir in Deutschland anscheinend nicht mehr weit weg: Dort wurden einem jungen Mann drei Autos zerstört und er wurde schließlich sogar brutal niedergeknüppelt, weil er einem angefahrenen Wolf im Auftrag der Polizei getötet hatte.

Etwas sarkastisch ließe sich anmerken, dass dem armen Niedersachsen-Wolf auch der Ambulanz-Wagen nicht helfen konnte, der extra für solche Fälle in Hannover stationiert ist. Die zwei Stunden Anfahrt aus der Landeshauptstadt hätte das Tier so oder so nicht überlebt. Es dauerte, wie die Polizei akribisch notierte, genau 48 Minuten, bis das böse Spiel ein Ende hatte.

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