Weckruf der Wähler und Augenmaß für die Jagd

Nach der Landtagswahl in NRW lecken sich SPD und Grüne ihre Wunden. Für alle anderen heißt es: nach vorne schauen.

Jägerdemo in NRW

Wir haben Monate und Jahre der Auseinandersetzungen um die Jagd, ihre gesellschaftliche Rolle, der Frage nach Passion oder Hobby, um den Sinn der Hege, die Priorität Wald vor Wild oder Wald und Wild, und die unterschiedliche Einflussnahme auf die Jagdgesetzgebung von Jägern und Jagdgegnern hinter uns. Vielfach trifft der Erfahrungsschatz des ländlichen Raumes auf die Vorstellungswelt urban geprägter Umweltpolitik. Das hat sich in besonderer Ausprägung in der Landespolitik für Nordrhein-Westfalen niedergeschlagen.

Übereinstimmend kommen Wahlanalytiker nach dem krachenden Wahlergebnis vom 14. Mai für dieses Land nun zu der Erkenntnis, dass sich Hannelore Kraft zu sehr in eine ideologische Gefangenschaft ihres Koalitionspartners begeben hatte. Das gilt neben der Schulpolitik, in der Silvia Löhrmann Bedenken Betroffener schlicht ignoriert hat, in gleichem Maße für Umweltminister Johannes Remmel mit seiner Politik für den ländlichen Raum. Wenn es nun programmatisch in Richtung Bundestagswahl geht, lohnt es sich übrigens für die Grünen, einmal punktuell hinzuschauen, was in Schleswig-Holstein anders gemacht wurde. Robert Habeck beispielsweise hat bei denselben Zielsetzungen Menschen Bauern, Naturfreunde und Jäger erst einmal ernst, und dann in Teilen mitgenommen. Da hat er zwar wenig flammenden Befürworter im ländlichen Raum, wohl aber Gesprächs- und Verständnisbrücken aufgebaut. Auch das gehört zur Politik. In NRW wurden für den ländlichen Raum viele Gräben aufgeworfen.

So hat das der gleiche Betroffenenkreis in Nordrhein-Westfalen mit Johannes Remmel wahrgenommen. Zumindest ist im Norden die Grundlage da, dass die CDU mit Daniel Günther an der Spitze wenigstens sachlich mit einer werteorientierten grünen Partei sprechen kann. Konservative und grüne Ziele liegen in vielen Bereichen nicht weiter auseinander. Man muss sich auf dem Weg dorthin nur verstehen, dabei auf Fakten und Argumente eingehen. In den letzten Jahren haben Landnutzer in Nordrhein-Westfalen das vermisst.

Besonders hart hat das die Jäger mit dem sogenannten Ökologischen Jagdgesetz getroffen. Der Landesjagdverband hat immer wieder Diskussions- und Gesprächsbereitschaft signalisiert, aber zu Recht auch rote Linien gezogen. Die Massendemonstration in Düsseldorf hat ihre Berechtigung, die Volksinitiative ihre Wirkung gezeigt. Wie sagte Remmel einmal zu den Repräsentanten der Jagd im Lande? Wer die Jäger auf die Bäume treibe, müsse sie eines Tages wieder runterholen. Es ist umgekehrt. Die Politik hat in der Jagd ungeahnte Proteste ausgelöst, die Düsseldorfer Landespolitiker aus dem Fenster des Landtages haben zugeschaut. Ihre Hoffnung, dass alles verpufft, hat sie getrogen. Das gilt auch für die Ministerpräsidentin, die fast alles an sich hat abprallen lassen.

Es geht um die Erhaltung und die ressourcenschonende Nutzung der Natur, die Artenvielfalt, um Wald und Wild, nicht einseitigen Vorrang.

Jost Springensguth

Die Jäger sollten den Regierungswechsel mit Augenmaß begleiten. Es werden Korrekturen am Jagdgesetzt notwendig. Es geht um die Erhaltung und die ressourcenschonende Nutzung der Natur, die Artenvielfalt, um Wald und Wild, nicht einseitigen Vorrang. Diese Themenwelt schreit geradezu nach gesellschaftlichem Konsens und nicht nach weiteren,  teilweise sogar verletzenden Auseinandersetzungen. Die Jagd muss ihre Interessen wahren, sie sollte aber nicht den Bogen überspannen.

Die bisherige Wahlbeteiligung in diesem Jahr ist auch ein Weckruf der Wähler, mehr mitgenommen zu werden. Und wem dann noch einfällt, das Kernproblem in Vermittlungsdefiziten zu suchen, trifft das Problem nicht. „Wir haben verstanden“ wäre wieder einmal ein guter Slogan – auch für Regierungsparteien. Die Jäger fühlten sich bisher überhaupt nicht mehr verstanden. Sie waren gut beraten, sich so gesprächsbereit aber auch argumentativ fest und hart in der Sache aufzustellen.

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