Skandalöser Umgang mit ASP in Dänemark

Um kein Exportverbot zu riskieren, testet Dänemark kurzerhand die auf der Insel Ærø angespülten Wildschweine nicht auf Afrikanische Schweinepest (ASP).

Wildschweine sind sehr gute Schwimmer und scheuen sich nicht davor, ins Wasser zu gehen.

Wildschweine sind sehr gute Schwimmer und scheuen sich nicht davor, ins Wasser zu gehen. Symbolbild: Michael Tetzlaff

An die Küste der dänischen Insel Ærø wurden fünf tote Wildschweine angespült, berichtet shz.de. Ein Fischer meldete den dänischen Behörden mindestens noch ein weiteres Stück, das in der Ostsee auf Ærø zutreiben soll.

Stig Mellergaard, Tierarzt und Chef der zuständigen dänischen Veterinärbehörde, vermutet gegenüber shz.de, dass die Wildschweine aus Polen oder Deutschland beim Versuch einen Fluss zu durchqueren von der Strömung in die Ostsee abgetrieben worden sind und dabei umkamen. Ertrinken als Todesursache scheint also sehr wahrscheinlich, aber ob die Tiere darüber hinaus mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziert waren, wird wohl nie ans Licht kommen.

Die dänischen Behörden handelten schnell und entsorgten die Kadaver. Offenbar in der Hoffnung, dass Gras über die Sache wächst – ohne die Tiere auf ASP zu beproben. Dank shz.de kam jetzt der skandalöse Vorgang und sein Hintergrund in die Öffentlichkeit. Auf Nachfrage sagte Stig Mellergaard der Zeitung, dass die Schweine nicht auf ASP untersucht würden, da im Falle eines Nachweises der Infektion die Afrikanische Schweinepest in Dänemark registriert würde.

Dies hätte Konsequenzen für die dänische Wirtschaft – gehört Dänemark doch zu den weltweit größten Produzenten von Schweinefleischprodukten. Rund 18 Millionen Schweine werden in Dänemark jährlich geschlachtet und knapp 15 Millionen Tiere wurden allein 2018 lebend exportiert. Der Nachweis von Schweinepest mit einem dann drohenden Exportverbot würde die dänische Wirtschaft demzufolge hart treffen.

Schon in der Vergangenheit war Dänemark mit einer fragwürdigen Aktion zum Schutz gegen die ASP in den Medien: dem Bau eines 70 Kilometer langen Schutzzauns an der Grenze zu Deutschland. Widerstandsfähige Stahlmatten wurden tief in den Boden eingelassen, um von den Schwarzkitteln nicht untergraben zu werden (wir berichteten). Kleines, aber nicht ganz unwichtiges Manko: die Höhe. Ganze 1,50 Meter (!) ist der Zaun hoch. Wer einmal, wie wohl die meisten Jäger in Deutschland, Wildschweine in Aktion gesehen hat, der weiß, dass diese Höhe für ein ausgewachsenes Stück kein unüberwindbares Hindernis darstellt.

Hätten die Dänen, bevor sie mit dem Bau begonnen haben, lieber jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt – wie auch jetzt beim Umgang mit toten angespülten Wildschweinen, deren Ursprung und Gesundheitszustand nicht bekannt ist. Somit bleibt nur zu hoffen, dass sich solche Ignoranz nicht rächen wird.

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