Aus dem aktuellen „Dossier Natur+Jagd“ I 2019 der Jägerstiftung natur+mensch

Rewilding und der Hass auf Jagd und Jäger

In Holland krachend gescheitert, aber in Europa auf dem Vormarsch: Die Idee, dass sich Natur ganz von allein regelt.

Jägerstiftung natur+mensch

Aus dem aktuellen „Dossier Natur+Jagd“ I 2019 der Jägerstiftung natur+mensch

Es soll ja Jäger geben, denen beim Schlagwort „Rewilding“ nur Gutes einfällt. Dabei ist die Bewegung aus den Niederlanden die gefährlichste von vielen Ideologien gegen Jagd und Jäger. Obwohl sie in der Praxis regelmäßig scheitert.

„Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde“ betitelt der amerikanische Journalisitik-Professor Alan Weisman das wohl erhellendste Buch zum Thema. Der Titel sagt eigentlich alles: Zum Ende gedacht geht es um eine Welt, in der kein Platz mehr für Menschen ist, schon gar nicht für uns Jäger.

Kaum etwas hat die Leser unseres Internet-Auftritts „Natürlich Jagd“ in den letzten Jahren mehr empört als die verstörenden Fotos aus dem niederländischen Rewilding-Projekt Oostvaardersplassen. Massenhaft jämmerlich verhungernde Wildtiere im vermeintlichen Naturparadies.

Als Fernsehteams die Wahrheit filmten, drehte sich die Stimmung in der Bevölkerung dramatisch. Die Schutzgebiet-Verwalter mussten zugeben, dass drei Viertel der ausgewilderten Huftiere den Winter nicht überlebten. Ein Öko-Fundamentalist kommentierte trotzdem: „Das Leid der Tiere ist immer noch besser als die Jagd.“

Ebenso krachend gescheitert ist das holländische Experiment, gänzlich auf die Gänsejagd zu verzichten. Jetzt werden die Tiere in der Mauser eingefangen und im großen Stil vergast. Und die Bestände explodieren dennoch in einem Ausmaß, dass die geschädigten Bauern rebellieren.

Jagdgegner verschweigen nur zu gern, dass die Beute solcher Regulierung auch als Nahrungsmittel ausfällt: Die konsequente Nichtverwertung des Wildbrets gehört zu den letzten Barrieren, die sich die Betreiber von Oostvaardersplassen unter dem Druck der empörten Öffentlichkeit noch leisten wollen. Die vergasten Gänse sind ohnehin nicht mehr genießbar.

Aufgegeben wurde der Traum von der Natur ohne Jagd schnell in deutschen Nationalparkgebieten. Es hat auch dort schlicht nicht geklappt. Die Erfinder der Idee lassen dennoch nicht locker. Aktuelles Ziel ihrer Begierden ist das Oder-Delta im deutsch-polnischen Grenzland. Und sie locken – wie immer – mit kräftigen Zuwachsraten beim Tourismus.

Dazu passt, dass die holländische Rewilding-Mutter eine Kapitalgesellschaft zur gewinnbringenden Vermarktung ihrer Illusion von einer neuen, heilen Welt betreibt. Und dass zu den wichtigsten Unterstützern die „Deutsche Umwelthilfe“ gehört, über deren Finanzgebaren nicht mehr nur Konservative in deutschen Parlamenten Schnappatmung bekommen.

Wahr scheint: Je weiter weg, desto besser scheint Rewilding zu funktionieren. Ob im Yellowstone-Nationalpark oder auf der Isle Royal im nordamerikanischen Lake Superior, die eigentlich zum Vorzeigeobjekt werden sollte: Erst setzten sie dort Wölfe aus, um die überreichlich vorhandenen Hirsche zu dezimieren. Das funktionierte ein paar Jahre, bis auch die letzten Hirsche aufgefressen waren und die Raubtiere mangels Nahrungsgrundlage das Weite suchten.

Unter Wildbiologen gibt es mittlerweile die Streit-These, dass sich Hardcore-Naturschutz und effektiver Tierschutz wie Feuer und Wasser gegenüberstehen. Wenn das zutrifft, wird sich abwarten lassen, wann die Öko-Szene den Konflikt untereinander austrägt. Am Ende könnte sogar die Erkenntnis stehen, dass eine Welt ohne Jagd und Jäger in der Konsequenz eine Welt ohne Menschen sein wird.

Solche Ahnungen nährt nicht weit von Berlin sogar die Hinterlassenschaft eines zeitlebens bekennenden Jägers: Heinz Sielmanns „Naturwelten“ in der brandenburgischen Mittelmark sind auch so ein Beispiel dafür, dass es Inseln der jagdlos Glücklichen wohl nicht geben kann, so lange der breiten Bevölkerungsmehrheit gepflegte Vorgärten und Ernteerträge wichtiger sind, als Tagträume von einer heilen Welt, die in Wahrheit ziemlich grausam ist – vor allem mit den Tieren.

Schwedische Forscher haben unter dem Eindruck von Plänen, die Rentierweide im Norden des Landes für ein neues Rewilding-Experiment zu nützen, Szenarien entwickelt: Biber und Dachse werden mit dem Populationszuwachs der Wölfe verschwinden. Der Rotfuchs wird den kleineren und weit selteneren Bergfuchs verdrängen. Der Elchbestand wird ohne Jagd stark wachsen, was im kargen Lappland enormen Schaden an der Vegetation befürchten lässt.

Die wahren Gewinner werden nach solcher Prognose in Kombination mit dem Klimawandel Wildschweine und Gänse sein. Letztere, haben Fachleute festgestellt, lassen sich kaum noch vertreiben, wenn die Angst vor Jägern Schnee von gestern ist. Und am Ende werden auch die Wölfe mangels leichter Beute wieder verschwinden. Wie auf der Isle Royal.

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