Mobbing in der Veganer-Zentrale

Vegan

Ein heftiger Streit in Schwedens größter Tierrechtler-Organisation lässt tief blicken. Es geht um Machtmissbrauch und Gesinnungsschnüffelei. Hauptamtliche müssen schon um ihren Job fürchten, wenn sie Milch in ihren Kaffee kippen.

„Djurens rätt“ ist genau jene Organisation, die aktuell für eine Welle der Entrüstung sorgt, weil ein Funktionär einer Bäuerin drohte, ihre Tochter zu entführen und wie eine Milchkuh zu halten (wir berichteten). Davon hat sich die Vereinsspitze zwar gewunden distanziert. Aber schon beginnt der nächste Ärger: Der langjährige Chefredakteur der Vereinszeitschrift wirft die Brocken hin. Jonas Nilsson begründet das damit, dass die Vereinsführung kritische Artikel aus dem Blatt verbannt.

Eine allmächtige Veganer-Gruppe habe den 1882 gegründeten Traditionsverein gekapert, lautet der Vorwurf. Das bekämen auch die rund 25 Hauptamtlichen zu spüren: bis hin zu regelmäßigen Papierkorb-Kontrollen, etwa auf Verpackungen von Fastfood-Ketten – Milchschokolade reicht auch. Denn wer bei „Djurens Rätt“ arbeiten will, muss zwingend Veganer sein. Sogar die Geschichte, dass Sahne im Kaffee zu Abmahnungen führen kann, scheint nicht aus der Luft gegriffen.

Immerhin verwaltet der Verein Beiträge und Spenden von rund 36.000 Mitgliedern. Letzter bekannter Jahresetat: rund 3,6 Millionen Euro im Jahr 2013. Aktien und andere Wertpapiere für etwa sechs Millionen Euro haben die Tierrechtler auf der hohen Kante. Zwischen 50.000 und 100.000 Euro jährlich gehen für Abfindungen an missliebige Mitarbeiter drauf, schreibt das schwedische Bauernblatt „Lantbruk“.

Bedenklich über solche Interna hinaus: „Djurens Rätt“ leistet sich eine spezielle Mitgliederzeitschrift für Kinder und Jugendliche. Die wird auch oft ziemlich unkommentiert in Schulen verteilt. Der Bauernverband protestiert regelmäßig gegen solche Methoden – aber nach wie vor gehört der Verein zu den offiziellen Tierschutzberatern der Regierung.

Erika Sörengård, Vorsitzende im schwedischen Bauernverband, ist nicht erst seit den Hassattacken gegen eine Milchbäuerin zur Gegenwehr entschlossen: „Die Zusammenarbeit von Regierungsstellen mit solchen Gruppen muss aufhören.“ Hinter dem freundlichen Auftritt seien nämlich „Öko-Terroristen“ verborgen, welche die ohnehin ums Überleben kämpfenden Landwirte „hassen und täglich bekämpfen“.

Einige Erfolge hatten die Bauern schon mit ihrer Gegenwehr – vor allem dort, wo es den Tierrechtlern weh tut: bei den Spenden. Nicht nur Schwedens größte Gartenmarktkette „Granngården“ beendete das Sponsoring für den Verein „Djurskyddet Sverige“ (die Nummer zwei nach „Djurens Rätt“), auch im ländlichen Raum starke Banken und Versicherungen ziehen sich unter dem Druck ihrer Hauptkundschaft aus solchem Engagement zurück.

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