Kritischer Beistand aus Schweden

Wolf

Die Hochschul-Experten, die den Niedersachsen-Problemwolf vergrämen sollen, schließen Abschüsse nicht aus.

Spannend: Die Spezialisten aus Schweden, die Niedersachsens grünem Umweltminister bei der Vergrämung eines „Problemwolfs“ helfen sollen, streiten seit Jahren mit Schwedens Grünen, weil die Forscher Abschüsse nicht ausschließen.

Olof Liberg, langjähriger Leiter des Projekts „Skandulv“ an der landwirtschaftlichen Universität von Grimsö, hat sich vor fünf Jahren in die Nesseln gesetzt, als er in einem Zeitungsinterview Klartext redete: „Um mit dem Wolf zu leben, muss man ihn auch schießen.“

Die Raubtierexpertin der Miljöpartei reagierte außer sich. Vor allem auch, weil Skandulv die Regierung in Fragen der Wolfsjagd berät, also die Lizenzjagd auf zuletzt 46 freigegebene Wölfe mitverantwortet. Olof Liberg konterte kühl: Die Wissenschaft sei nicht dazu da, politisch Erwünschtes zu liefern.

Die Frage ist, ob Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel weiß, wen er da gegen seinen „Problemwolf“ zur Hilfe holt. Wenn ja, weiß er auch, wie sie in Grimso ticken: Wölfe seien „fantastische Tiere“, die „Romantiker“ müssten aber auch einsehen, dass die Landbevölkerung die Dinge anders sieht als viele Großstädter.

Skandulv war auch wesentlich beteiligt, als die schwedische Regierung einen Mindestbestand von 270 Wölfen als überlebensfähige Population festschrieb. Aktuell sind es wohl gut 400 Tiere. Mehr als im frühen 19. Jahrhundert mit den letzten dokumentierten Todesfällen: Am 27. April 1821 wurde der „Gysinge-Wolf“ erlegt. Auf sein Konto gingen neun Todesopfer, nicht nur Kinder, sondern auch ein erwachsener Mann.

Pikant für Niedersachsen: Der Erfolg von Vergrämung mit Gummigeschossen ist auch in Schweden höchst umstritten. Auf einem nichtöffentlichen Symposium im September 2012 in Strömsberg, nicht weit von der Heimat des Gysinge-Wolfs, rieten Wissenschaftler sogar zum schnellen Abschuss verhaltensauffälliger Tiere: Nach missglückten Vergrämungsversuchen sei es noch schwieriger, die endgültige Entnahme durchzusetzen.

Am Ende gilt auch an der Hochschule von Grimsö der Abschuss verhaltensauffälliger Wölfe als letzter Ausweg. Die Vorstellung, die Raubtiere in einer modernen Zivilisation sich selbst zu überlassen, hält Olof Liberg für obsolet: „Wir haben zu allen Zeiten Raubtiere gejagt, und das müssen wir weiterhin tun.“ Anders wird das Thema Wolf die Gesellschaft spalten, nicht nur in Schweden.

Unser Fotoreporter Tobias Bürger hat schon viele Wölfe in freier Wildbahn fotografiert und gefilmt. Wie scheu ein Wolf normalerweise reagiert, wenn er den Menschen entdeckt, zeigt dieses Video sehr deutlich: Bitte hier klicken

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