Kindergartenausflug zum Rentierschlachten

Riesenaufregung, nicht nur in der Bildzeitung: In Norwegen gab es einen Kindergartenausflug zum traditionellen Rentierschlachten. Aber dort regt sich kaum jemand auf, viele Eltern finden es sogar ausgesprochen gut.

Rentiere

Symbolbild

Rund 5000 Kommentare gab es gestern auf der Facebook-Seite des Kindergartens von Henning, nicht weit vom norwegischen Trondheim. Die wütenden Zuschriften kamen fast ausschließlich aus Mitteleuropa, nachdem Tierrechtler und Veganer den Eintrag mit den blutigen Bildern in Windeseile geteilt hatten.

In der Tat sind die Fotos von Kleinkindern vor blutigen Schlachtkörpern nichts für zart besaitete Fleischtheken-Kunden. Aber die Kindergarten-Eltern stehen offenbar voll hinter der Aktion – und die allermeisten Menschen in Norwegen wohl auch. Schließlich gehört das Vermitteln samischer Kultur zum Bildungsauftrag der Vorschule. Und zu dieser Kultur gehört auch das alljährliche Rentierschlachten zum Jahresbeginn.

Einheimische Facebook-User reagierten weit überwiegend entsprechend gelassen. Schrieben meist, dass sie froh sind, wenn Kinder erfahren, dass Fleischessen und Tieretöten zusammen gehören. Das sei ehrlicher, als diesen Zusammenhang zu verschleiern.

Aber dann kam der Shitstorm aus dem Süden. Vor allem auch über deutsche Boulevard-Blätter, „Bild“ allen voran. Hier ein österreichisches Beispiel für die Reaktionen: „Seits ihr komplett krank?????? Ihr gehört sofort geschlossen und eingesperrt.“ Organisierte Tierrechtler waren ebenfalls entsetzt: „Nacktaffenkinder dürfen Morden spielen - in echt jetzt!“

Spannend: Nach wenigen Stunden drehte die Stimmung auch bei den „Bild“-Usern. Typische Leseprobe: „Finde es erstaunlich , dass es doch noch eine Hand voll normal denkender Leute gibt , erschreckender finde ich, wie viele Leute tatsächlich den Bezug zur Realität, zum Landleben und zur Landwirtschaft verloren haben.“

„So sieht es nun mal an einem Rentier-Schlachtplatz aus.“

Die Betreiber des Kindergartens reagierten übrigens sehr gelassen und bedauerten, dass sie so viele Zuschriften nicht einzeln beantworten könnten. Dass die Fotos verstören können, sei ihnen zwar bewusst, aber „so sieht es nun mal an einem Rentier-Schlachtplatz aus“. Erziehungsziel sei auch, Eindrücke aus erster Hand zu vermitteln. Und so habe es nahe gelegen, am 6. Januar, dem „Tag der Samen“, diesen Ausflug in die Realität zu unternehmen.

Alle Eltern wurden ausführlich und frühzeitig informiert. Es stand ihnen frei, ihre Kinder daheim zu behalten. Auch den Erziehern war die Teilnahme freigestellt und es gab gründliche Vorbereitung auf den Ausflug der besonderen Art. Zum Schluss wünschen die Norweger auch den Kritikern „weiter einen guten Tag“ und verweisen darauf, dass sich die Kultur der Samen kaum vermitteln lasse, ohne zu zeigen, dass Rentiere auch zum Essen da sind.

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