Wolf im Schnee

Foto: Dieter Hopf

Jäger erhält Morddrohungen, weil er einen Wolf erlöste

Der Streit um Schwedens Wölfe eskaliert: Ein junger Jäger, der in der Nähe der värmländischen Provinz-Hauptstadt Karlstad im Auftrag der Polizei nach einem Verkehrsunfall einen schwer verletzten Wolf mit Fangschüssen erlöste, musste unter Polizeischutz gestellt werden. Es blieb nicht bei Morddrohungen. Das Auto des jungen Mannes wurde von Unbekannten schwer demoliert.

Mattias Heed, 23 Jahre alt, gehört seit drei Jahren zu den Jägern, die von der schwedischen Polizei offiziell mit Nachsuchen, vor allem nach Verkehrsunfällen, beauftragt sind. Diese „Hilfspolizisten“-Lösung ist auch dem Umstand geschuldet, dass viele Jäger aus Protest gegen die Raubtier-Politik der Regierung damit drohten, solche Nachsuchen zu verweigern.

Kein Job, um den sich die Leute raufen: Er beinhaltet die Bereitschaft, rund um die Uhr einsatzbereit zu sein. So war es auch, als bei Mattias in der Silvesternacht gegen 22.30 Uhr das Telefon läutete. Raus aus der warmen Stube und hinaus in die erste richtig kalte Nacht dieses Winters. Am Straßenrand zwischen den Ortschaften Kil und Skåre lag der schwer verletzte Wolfsrüde mit gebrochenem Hinterlauf, blutete aus der Nase. Auch die Polizei ist sicher, dass das Tier nicht gerettet werden konnte – und dass es keinen Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Fangschüsse geben kann.

Shitstorm, Strafanzeigen und handfeste Angriffe

Aber als der Vorfall aus der Neujahrsnacht in den überregionalen Medien groß die Runde machte, erlebte Mattias nicht nur einen gewaltigen Shitstorm im Internet und Strafanzeigen, sondern auch handfeste Angriffe: Erst klebte an seinem Auto ein Zettel mit dem Text, dass er nicht wagen solle, den Motor zu starten. Eine Bombe wurde zwar nicht gefunden, aber in der nächsten Nacht zertrümmerten Unbekannte die Windschutzscheibe und schlugen zahlreiche Beulen in die Karosserie des neuwertigen Wagens.

Außerdem ist Mattias sicher, dass er seit dem Vorfall in der Neujahrsnacht auf seinen Fahrten ständig verfolgt wird. Deshalb steht er nun unter Polizeischutz. Seinen ehrenamtlichen Dienst wird er zwar weiter verrichten, aber nicht mehr alleine ausrücken, wenn er zu einem Wildunfall gerufen wird. Gegen die Vandalen, die sein Auto zerstörten, wird ermittelt, ebenso wie gegen die Verfasser der Hass-Aufrufe im Internet.

Värmland gehört zu den Provinzen, in denen die diesjährige Lizenzjagd auf Wölfe vorerst durch regionale Verwaltungsgerichte gestoppt wurde. In der Nachbar-Provinz Dalarna verlief die von der Naturschutzbehörde bewilligte Jagd bestimmungsgemäß: Vier Wölfe wurden in der Neujahrswoche erlegt. Und auch in Gävleborgs Län hat es nach heftigem Rechtsstreit nun den ersten Wolfsabschuss gegeben.

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