Jagd auf mongolisches Wildschaf erregt die Gemüter

Donald Trump Jr. schoss während einer Jagdreise im Sommer 2019 ein Argali in der Mongolei und erzeugt damit viel mediales Echo. Die Hintergründe.

Erlegtes Argali im Schnee.

Erlegtes Argali im Schnee. (Symbolbild: sh)

Donald Trump Jr. schoss während einer Jagdreise im Sommer 2019 ein Argali in der Mongolei. Diese Wildschafe, die nur im Hochgebirge in einer Höhe von ca. 3.000 bis 5.500 Meter vorkommen, sind bei Trophäenjägern ob deren imposanten und gedrehten Hörner sehr begehrt und dementsprechend teuer. Preise zwischen 24.000 und 50.000 US-Dollar sind realistisch, die gutbetuchte (meist westliche) Jäger nur für den Abschuss eines Argalis auf den Tisch legen müssen.

Die Medienplattform „ProPublica“ berichtete als erste darüber und titelte „Donald Trump Jr. ging in die Mongolei, erhielt eine Sonderbehandlung von der Regierung und tötete ein vom Aussterben bedrohtes Schaf“. Hiesige große Medienhäuser nahmen diese Story gerne auf und nun erhitzt der Vorfall, gleich in zweifacher Weise, auch hierzulande die Gemüter. Zum einen sind es die Begleitumstände rund um die Erlegung des Argalis und zum anderen der Abschuss selbst, der Vielen die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Aber der Reihe nach: Im August dieses Jahres reisten der älteste Sohn und der Enkel des US-Präsidenten Donald Trump für mehrere Tage in eine abgelegene Region der Westmongolei, gut beschützt durch einheimische sowie amerikanische Sicherheitskräfte versteht sich.

Donald Trump Jr. auf einem Pferd sitzend während seiner Jagdreise in die Mongolei im August 2019.

Donald Trump Jr. auf einem Pferd sitzend während seiner Jagdreise in die Mongolei im August 2019. (Bildquelle: Instagram)

Der Aufreger: Trump Jr. erlegte ein Argali und das während der Nacht mit einem Laserzielgerät und bekam erst rückwirkend, am 2. September, eine Abschussgenehmigung von den mongolischen Behörden erteilt. Darüber hinaus hätte Trump Jr. die Jagdführer angewiesen das Tier nach dem Schuss, insbesondere Fell und Hörner, unversehrt zu lassen und es auf einem Aluminiumblech zu bergen. Normalerweise ist es üblich, dass die erlegten Tiere an Ort und Stelle zerlegt und dann in Teilen abtransportiert werden. Zu vermuten ist, dass Trump Jr. sich das Argali als Vollpräparat herrichten lassen möchte. Ob eine Aus- oder Einfuhrerlaubnis dafür vorhanden war, ist nicht bekannt. Trump Jr. hätte dazu nämlich die Genehmigung des US-amerikanischen Fisch- und Wildtierdienstes beantragen und erhalten müssen.

Für Argalis gelten normalerweise sehr restriktive Abschussbestimmungen. Die Genehmigungen für einen Abschuss seien undurchsichtig und würden hauptsächlich auf Geld, Verbindungen und Politik basieren, führt ProPublica weiter aus.

Am Ende der Reise traf sich Trump Jr. privat mit dem Präsidenten der Mongolei, Khaltmaagiin Battulga, bevor er die Hauptstadt Ulaanbaatar in die USA verließ. Was auf dem Treffen besprochen worden ist, ist nicht bekannt und Trump Jr. Beantwortet auch keine Fragen zu dem Treffen.

Wenige Wochen zuvor fand ein Staatsbesuch des mongolischen Präsidenten und hochrangiger Beamter in den USA statt (inklusive eines Treffens mit Präsident Trump im Weißen Haus), bei dem der mongolische Präsident Donald Trumps jüngstem Sohn Barron ein Pferd schenkte. Trump nannte das Pferd, das in der Mongolei lebt, „Victory“. Pferde seien in der Mongolei traditionelle Geschenke bei derartigen Anlässen, berichtet ProPublica. Grund des Besuches könnte die Binnenlage des Landes zwischen Russland und China sein. Die Mongolei bezeichnet die USA als „dritten Nachbarn“ – zurückzuführen auf die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Unterstützung, die die Vereinigten Staaten der Mongolei zukommen lassen.

Auf Nachfrage habe der Sprecher des Präsidentensohnes mitgeteilt, dass der 41-Jährige die siebentägige Jagdreise in die Mongolei auf einer Wohltätigkeitsauktion der „National Rifle Association“ (NRA) ersteigert habe und das, bevor sein Vater 2015 zum Präsidenten gewählt worden ist. Auch die Flüge seien von ihm bezahlt worden. Über die Kosten für das fünfköpfige Team des Secret Service, das den Präsidentensohn selbst bei der Jagd begleitet haben soll, wie die Jagdführer berichteten, wurde keine Auskunft erteilt.

Neben dieser undurchsichtigen Vergabepraxis von Jagderlaubnissen auf mongolische Argalis ist der zweite große Aufreger, der medial hohe Wellen schlug, dass die Tiere in ihrem Bestand stark gefährdet sein sollen. Einige Medien berichten sogar, dass die Tierart vom Aussterben bedroht sei, was z. T. auf mangelnden Sachverstand der Berichterstatter zurückzuführen sein könnte. Als Indiz dafür ist exemplarisch, dass eines der großen Nachrichtenportale zur Illustration ihres Artikels über die Jagdreise das Bild eines Mufflons anstelle eines Argali verwendete (sehen Sie hier). Beides sind unbestritten Wildschafe, unterscheiden sich doch, abgesehen von einer Gewichtsdifferenz von über 100 kg, so sehr wie eine hiesige Kuh von einem Büffel – aber das nur am Rande.

Diese Konnotation der Berichterstattung nahmen auch der Deutsche Jagdverband (DJV) und der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) in Deutschland gestern zum Anlass, um darauf hinzuweisen, dass Argalis in der Mongolei von einer legalen und nachhaltigen Jagd eher profitieren würden, als dass sie Schaden davon nähmen, geschweige denn davon in ihrem Bestand bedroht würden – ganz im Gegenteil.

„Laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) ist der Argali nicht vom Aussterben bedroht. Die streng kontrollierte Bejagung einzelner, alter Argali-Böcke hat auf die Bestandsentwicklung der Art erwiesenermaßen keinen Einfluss“, haben Experten der IUCN gegenüber DJV und CIC bestätigt. Nur wenige Lizenzen werden vergeben.

Die Hauptgefahr für den Argali liegt im Verlust seiner Habitate, so Stephan Wunderlich, Auslandsjagdbeauftragter von DJV und CIC in Deutschland: „Jeder Kaschmir-Pullover bedeutet weniger Lebensraum für den Argali, weil er von den Hirten als Konkurrent um das Weideland ihrer Kaschmir-Ziegen angesehen wird“, führen DJV und CIC in einer gemeinsamen Presseerklärung aus.

Die nachhaltige Jagd sorge dafür, dass die lokale Bevölkerung Einnahmen aus dieser erzielen könnte und dadurch motiviert wird, Wilderei zu unterbinden und auf die Ausweitung der Ziegenhaltung zu verzichten, heißt es weiter. So sei der Bestand an Argalis in einem Gebiet der Mongolei durch die Einführung eines Jagdmanagementplanes sogar von 200 Exemplaren auf 1.500 Tiere angewachsen.

Erstellt mit Material von „ProPublica“ und des DJV/CIC.

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