Förster unter Beschuss: Staatsjagd-Methoden bringen Jäger und Tierschützer auf die Palme

Hirsch auf Feld

Foto: Ryszard Adamus

Ganz im deutschen Süden ziehen Jäger und Tierschützer an einem Strang – gegen die Jagdmethoden der Forstverwaltung. In Garmisch-Partenkirchen richtet sich der Protest aktuell gegen staatliche Winterdrückjagden auf Rot- und Rehwild. Der Kreisjägermeister spricht von „grenzenlosem Hass auf das Wild und Verachtung der Kreatur“. Die Förster wollen nur den Wald retten.

Der erbitterte Streit ging richtig los, als die Behörden vor drei Jahren Gatter-Abschüsse im großen Stil anordneten, um der Tuberkulose beizukommen. Der endgültige Beweis, dass die Hirsche die Rinder mit der Krankheit angesteckt haben – oder aber umgekehrt –, fehlt zwar noch immer. Aber die Gemeinsamkeiten, die Jäger und Tierschützer (außer PETA natürlich) damals entdeckten, gibt es immer noch.

Nun die jüngsten Aufreger: Gleich zwei Drückjagden am 15. Januar, ausgerechnet nachdem endlich reichlich Schnee gefallen war rund um die Zugspitze. Und in einem Fall direkt am Wintergatter. Kreisjägermeister Thomas Bär glaubt sogar, dass solche Methoden auch dem Wald nicht nützen, sondern schaden: Das aufgeschreckte Wild verbrauche mehr Kalorien und richte entsprechend mehr Verbissschäden an.

Forstdirektor Meinrad Süß sieht das im Münchner Merkur anders: „Die Drückjagden werden zwar vor Ort organisiert, mir aber gemeldet. Die einen sprechen von Tierquälerei, wir aber sagen, der Gesetzgeber regelt die Jagd.“ Und demnach seien Drückjagden auf Rehwild bis zum 15. Januar zulässig, auf Rotwild sogar bis zum 31. Januar. In einem der betroffenen Staatsreviere sei die Schonzeit sogar komplett aufgehoben.

Als Mitglied im BJV könne man im Staatsforst nichts werden, lautet eine These

Im Kern geht es um das Motto „Wald vor Wild“. Und vielleicht auch darum, dass der „Ökologische Jagdverband“ unter bayerischen Forstbeamten überproportional vertreten ist. Als Mitglied im Traditionsverband BJV könne man im Staatsforst nichts werden, lautet schon lange eine These, zwar unbewiesen, aber wirksam. Und immer dann akut, wenn es bei staatlichen „Bewegungsjagden“ mal wieder hoch hergeht. Wie vor Jahren schon bei einem „Gamsriegler“ in den Ammergauer Alpen, auf dem zur Dienstzeit auch kapitale Trophäenträger auf der Strecke lagen.

Oder im Jahr 2011, als im Gebiet der Hegegemeinschaft Wildsteig ein ungerader 22-Ender vom siebten Kopf einer Förster-Büchse zum Opfer fiel – und beim Kreisjägermeister Empörung auslöste. Das Tier, schimpfte Bär, sei ein Zukunftshirsch gewesen und hätte ein paar Jahre später, verkauft an einen Jagdgast, eine fünfstellige Summe in die Staatskasse gebracht. Und damit auch viel Geld für den Bergwald, der als als Begründung für die energische Bejagung herhalten muss.

Der Erleger wurde übrigens gleich nach dem Abschuss des Lebenshirschs befördert. Und der Streit spitzte sich im bereits erwähnten TBC-Winter weiter zu: „Tierquälerei durch Försterhand ist eine Schand’ fürs Bayernland“ stand auf Transparenten bei der ersten größeren Demonstration, zu der sich Jäger und Tierschützer im Tegernseer Tal trafen – nicht ohne Grund in Kreuth, dem legendären Tagungsort der CSU-Winterklausuren.

Solche Demos gab es bald vielerorts im Alpenland. Auch in Garmisch, wo die Chefin des überaus rührigen und erfolgreichen Tierschutzvereins mit von der Partie ist: Sie habe sich nie träumen lassen, „dass ich mal mit Jägern für eine Sache eintreten würde“, sagte Tessy Lödermann damals. Die Frau saß lange für die Grünen im Münchner Landtag und ist tief verwurzelt in ihrer Heimat – auch wenn es darum geht, was nach der Tradition mit fairer Jagd nichts zu tun hat.

Am Rande: Dem Kreisjägermeister wurde nach seiner jüngsten Attacke gegen den Staatsforst angehängt, dass er eben selber an einer Winterdrückjagd teilgenommen hat. Aber dort, sagt Thomas Bär, ging es ausschließlich auf Sauen, nachdem der Winter doch noch Einzug gehalten hatte im Werdenfelser Land. So ist das wohl, wenn Forst und Jagd nicht mehr zusammenhalten.

Auch in Hessen stehen derzeit Forstleute wegen massiv überhöhter Rotwildbestände in der Kritik. Wie die Mainpost berichtet, sollen die Forstleute in den Staatswäldern des Nordspessarts „in Missachtung ihrer Dienstpflicht schwere Schäden am Wald verursacht“ haben.

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