Eiertanz um halbzahme Wölfe

Wolf

Symbolbild / Foto: Dieter Hopf

Bildaufnahmen, die anscheinend belegen, wie zutraulich die Wölfe vom Truppenübungsplatz Munster schon im Jugendalter waren, bleiben unter Verschluss (wir berichteten). Der zuständige Umweltminister wird wohl wissen, warum.

Der Norddeutsche Rundfunk enthüllte ein „Staatsgeheimnis“: Schon im Februar 2015 gab es ein Treffen in Oerell im Heidekreis, auf dem Naturschutzverbänden, Wolfsberatern und Vertretern der Landesjägerschaft Fotos und Videos höchst ungewöhnlicher Art präsentiert wurden. Da gab es Menschen (angeblich auch Staatsförster und Feuerwehrleute) zu sehen, die sich Wölfen bis auf zehn Meter näherten. Da waren Hunde drauf und dran, mit Wolfswelpen zu spielen. Und da machten sich Menschen offenbar einen Spaß daraus, die Raubtiere zu locken.

Einige Teilnehmer waren offenbar entsetzt. Jäger und vereinzelt auch Wolfsberater ahnten die Brisanz der Bilder. Das Umweltministerium, das die Tagung organisierte, war nun wohl ebenfalls gewarnt, verzichtete aber offenbar auf aktives Krisenmanagement. Vergrämungen an Plätzen, die Insidern für regelmäßige Wolfsbegegnungen bekannt waren, gab es nicht. Klare Anweisungen an die Bevölkerung, die Tiere in Ruhe zu lassen, zunächst auch nicht.

Das Ende ist bekannt: Die zutraulichen Welpen wurden als Jungtiere keine Kuschelwölfe, sondern zum Problem – bis hin zu „Kurti“, der auf Weisung des Umweltministeriums erschossen werden musste (wir berichteten). Alles zwar ganz legal, aber nicht unbedingt im Sinne der Wölfe und der Menschen, die vor Ort mit derart verzogenen Raubtieren leben müssen. Zumal Teilnehmer der denkwürdigen Tagung schon damals Konsequenzen verlangten.

Umweltminister Wenzel lässt entsprechende Vorwürfe nun „aufs Schärfste“ zurückweisen. Nur die Aufnahmen, die schon vor über einem Jahr Anlass zu entschlossenem Handeln hätten sein sollen, bleiben bis heute unter Verschluss. Die für den Truppenübungsplatz zuständige Bundesforstverwaltung rückt sie laut Ministerium nicht heraus – wegen ungeklärter Urheberrechte. Es könnte aber gut sein, dass einige amtliche Wolfskuschler schlicht nicht wiedererkannt werden wollen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Ernst-Ingolf Angermann macht sich im NDR einen eigenen Reim auf die Vorgänge: „Offenbar hat Herr Wenzel die Menschen über Monate hinweg bewusst getäuscht, wenn Fragen nach den Ursachen für das untypische Verhalten von Wölfen gegenüber dem Menschen gestellt wurden.“

Nebenbei: Nachdem vergangene Woche das mittlerweile neunte Wolfsrudel in Niedersachsen bestätigt wurde, machte sich Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) öffentlich Gedanken über einen Kurswechsel. Auf dem „Heidschnuckentag“ kündigte er an, dafür zu sorgen, „dass die Population der Wölfe nicht unbegrenzt in Niedersachsen wachsen kann“.

Die Sprecherin der Umweltministeriums, die schon mit der Rechtfertigung der Bilder-Sperre Mühe hat, korrigierte den Regierungschef postwendend. Mit aktuell 50 bis 70 erwachsenen Wölfen sei der Erhalt der Population in Niedersachsen nicht gesichert. Erst wenn der Bestand langfristig weiter steigt, werde „darüber geredet, wie es weitergeht“.

Ergänzend eine Klarstellung der Landesjägerschaft Niedersachen

Aufgrund der aktuellen Diskussion um die Vorgänge auf dem Truppenübungsplatz Munster betreffend der im Jahr 2014 geborenen Wolfswelpen und die Veranstaltung in Oerrel im Jahr 2015 bei der diese und ihr Verhalten Gegenstand waren, sieht sich die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) darüber hinaus zu folgender Klarstellung veranlasst:

1. Die Landesjägerschaft Niedersachsen ist seit Anfang des Jahres 2012 mit dem Wolfsmonitoring in Niedersachsen beauftragt. Dies umfasst unter anderem die wissenschaftliche Dokumentation der Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen. Seither führen wir diese Aufgabe in Zusammenarbeit mit den zuständigen Institutionen – dem Niedersächsischen Umweltministerium und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) – sowie den ehrenamtlichen Wolfsberatern durch. Das Monitoring ist Bestandteil des Wolfsmanagements; eingehende Meldungen werden dem Umweltministerium und dem NLWKN zur Verfügung gestellt. Das Management selbst sowie alle Maßnahmen und Entscheidungen die im Rahmen dessen getroffen werden, liegen ausschließlich in den Händen des Niedersächsischen Umweltministeriums. Dies umfasst auch die Bewertung und Einordnung des Verhaltens von Wölfen.

2. Eine besondere Situation des Monitorings in Niedersachsen ergibt sich für die Flächen der Bundesforst bzw. der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – wie beispielsweise den Truppenübungsplatz Munster: Aufgrund des eingeschränkten Betretungsrechtes führen die Mitarbeiter der Bundesforsten auf ihren Flächen das Monitoring eigenständig durch. Die Ergebnisdokumentation und Auswertung wird vom Büro LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland durchgeführt. Ergebnisse des Monitorings auf diesen Flächen, werden der Landesjägerschaft sowie dem Umweltministerium und dem NLWKN von den Mitarbeitern der Bundesforsten zur Verfügung gestellt. 


3. Zu den aktuell diskutierten Fotos bzw. Videoaufnahmen: Der Landesjägerschaft Niedersachsen sind im Nachgang zu dem Treffen in Oerrel im Jahr 2015 einige der in Rede stehenden Bilder im Rahmen des Monitorings übersendet worden. Das in Oerrel gezeigte Material liegt der LJN bis heute nicht vollständig vor. Die Aufnahmen, die der Landesjägerschaft übersendet wurden, sind verbunden mit dem Hinweis, dass diese nicht veröffentlicht werden dürfen, sondern nur im Rahmen des internen Monitoring Verwendung finden dürfen. Die ist im Rahmen des oben beschriebenen Verfahrens auch geschehen. 


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