Die Seuche, der Schweinepreis und der Jäger-Hass

Fensterreden und Angst vor Hardcore-Veganern helfen dem Wildbret-Markt nicht aus der Krise

Schwarzwild und Rehwild in einer Kühlkammer hängend (Beispielbild: mlz)

Schwarzwild und Rehwild in einer Kühlkammer hängend (Beispielbild: mlz)

Spätestens, wenn die Weihnachtsbäckerei total verfrüht in den Discounter-Regalen steht, ist auch der Jäger-Frust über Luxus-Preise für Wildbret nah. In diesem Herbst besonders heftig, weil sich Sauen vielerorts kaum noch verkaufen lassen – außer im Supermarkt und aus möglichst fernen Ländern, nebenbei ein Fest für militante Jagdgegner und Hardcore-VeganerInnen. 

So manche Politiker, die nun ziemlich hilflos ihr Heil in Zäunen gegen die Schweinepest suchen, bitten plötzlich um Jäger-Hilfe. Und sie werden dabei die Geister nicht los, von denen sie sich vor der Seuche gerne rufen (und wählen) ließen. Plötzlich ist Tieretöten wieder angesagt. Und sogar der zum vulgär-ökologischen Weltkonzern mutierte WWF erkennt die Zusammenhänge zwischen Energiepflanzen-Hype und Sauen-Explosion. 

Wahr ist, dass der klassische Wildbrethandel und selbstvermarktende Jäger unter den Bemühungen, den Menschen den Appetit auf Fleisch zu verderben, schon seit Jahren ganz besonders leiden. Sie haben es wohl versäumt, ihrer Kundschaft vorzugaukeln, dass das Fleisch aus der Tiefkühltruhe kommt – und nicht vom Schlachter. Wie der Strom aus der Steckdose und das Geld aus dem Bankautomaten. 

Und jetzt soll Otto Normalverbraucher plötzlich begreifen, dass Fleisch vom „Bambi-Mörder“ nicht nur erstklassig schmeckt und aus konkurrenzlos „artgerechter Haltung“ stammt. Sondern auch noch hilft, eine eingeschleppte Tierkrankheit von den Nutztier-Ställen fernzuhalten. Die Alternative zum gesteigerten Konsum wäre die massenhafte Vernichtung eines erstklassigen Lebensmittels – was leider immer weniger Zeitgenossen in der Seele weh tut. 

Dass Jäger und Handwerksmetzger allein gegen die Dummheit und die Marktmacht der Konzerne machtlos sind, ist die eine Seite. Die andere Seite wäre der Versuch, die „Geiz ist geil“-Gesellschaft viel deutlicher als bisher auf die Schnäppchen-Preise für Direktvermarkter-Wildbret hinzuweisen.  Geld für solche Anzeigen-Kampagnen sollte sich in den Verbandskassen finden. 

Bleibt die alte Jäger-Klage, dass die Verbraucher nur Rücken und Schlegel kaufen. Wildwurst kaufen sie auch, oft zu horrenden Preisen. Und Wurstfabriken, die nach Marktlücken suchen, sollten sich mit ein wenig Mühe finden. Die Frage, ob der Schinken besser wird, wenn er durch halb Europa gekarrt wurde, ist obendrein ebenso angebracht wie der gelegentliche Hinweis auf Jagdmethoden in fernen Ländern. 

Am Rande: Im Europaparlament ist die "Vereinte Europäische Linke/Nordische Grüne (GUE/NGL)" jüngst krachend mit dem Antrag durchgefallen, die EU-Pandemieverordnung um ein generelles Handelsverbot für Wildtiere und Wildfleisch zu ergänzen. Auch Leute von der deutschen Linken waren mit von der Partie beim gescheiterten Jagdverbot durch die Corona-Hintertür.




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