Die Schalenwildbekämpfer müssen umdenken

Warum die Kampagnen gegen Hirsch, Reh und Gams den Wald nicht retten

Schalenwild im Fokus: Bleiben am Ende Wald und Wild auf der Strecke? (Symbolbild: StockSnap)

Schalenwild im Fokus: Bleiben am Ende Wald und Wild auf der Strecke? (Symbolbild: StockSnap)

Es soll ja noch immer Jäger geben, die den Klimawandel unter Fakenews abtun. Obwohl ihnen die Veränderung im Revier auf Schritt und Tritt begegnet. Und es gibt jede Menge Forstexperten, die ihre offenkundige Ohnmacht gegen Hitze und Trockenheit verbergen wollen, indem sie immer schärferer Bejagung unseres Schalenwilds verlangen. Den Wald, das Klima und das Wild werden beide Gruppen nicht retten.

Noch im vergangenen Jahr lösten Hinweise auf das Buchensterben in nahezu allen deutschen Regionen bei einem Teil der Forstpartie Schnappatmung aus. Auf dem Prüfstand der Realität stand plötzlich auch die Heilsleere, dass höhere Laubholz-Anteile den Wald retten werden.

Heuer wird schon im Frühsommer klar: Ohne ausreichende Niederschläge ist auch die Forstwissenschaft mit ihrem Latein am Ende. Und die lauten Rufe nach milliardenschweren Hilfsprogrammen für den Waldumbau werden längerfristig wohl nicht die Zweifel übertönen, ob forstliche Rezepte genügen, um das globale Drama wenigstens am grünen Holz zu stoppen.

Wenn Buchensetzlinge zu Zigtausenden nicht hochkommen und auch vermeintlich gesunde Mischwälder verdursten, werden Rezepte aus der Baumschule obsolet. Auch die Illusion von den Selbstheilungskräften der Natur, zumal der Irrglaube, dass dem Wald bereits geholfen wäre, wenn der Mensch den Waldschädlingen freie Bahn gewährt.

In einer Zeit, zu der es höchste Eisenbahn wäre, um jeden Baum zu kämpfen, weil Bäume fürs Klima so wichtig sind, wirken manche Forst-Experten wie aus der Zeit gefallen: Zumal jene, die sich voller Stolz vor Käfer-Brachen ablichten lassen und behaupten, da wachse neue, womöglich sogar bessere Natur heran. 

Logisch ist es faszinierend zu beobachten, was passiert, wenn wir der Natur freien Lauf lassen. Aber sind Notzeiten die Zeit für möglichst flächendeckende Experimente? Zumal in einer Disziplin, die vor wenigen Generationen noch die Monokultur gepredigt hat? Und die nun gelegentlich den Eindruck erweckt als wäre der Wald gerettet, wenn es nur kein Wild mehr gäbe. 

Realer scheint die Sorge, dass am Ende Wald und Wild auf der Strecke bleiben. Weil die oft realitätsferne Forst-Debatte von der Einsicht ablenkt, dass auch naturnähere Forstwirtschaft nur dann gelingen kann, wenn die klimatischen Rahmenbedingungen passen. Wenn zum Beispiel die von Pseudo-Propheten irregeführte Öffentlichkeit begreift, dass Energiepflanzenanbau kein Weg aus der Krise ist, sondern geeignet, die Krise weiter zu verschärfen.

Statt gegen Windräder und für noch mehr Wölfe zu kämpfen, wären Teile der Forstpartie gut beraten, Ökologie über den Waldrand der eigenen Fakultät hinaus zu begreifen. Sonst sehen sie am Ende genauso alt aus wie Jäger, denen die Trophäe wichtiger ist als ein standortverträglicher Wildbestand.

Die Strecken so mancher Forst-Drückjagden lassen allerdings ahnen, dass auch Waldbau-Profis am liebsten dicke Hirsche schießen. Vor allem dann, wenn diese nicht das eigene Geld kosten und ihre Erlegung als Schädlingsbekämpfung zur Dienstzeit zählt.

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