Die Natur zahlt einen hohen Preis: Wie der Öko-Strom unsere Ökologie beschädigt

Gewässer

Mit der wohlfeilen These „Wald vor Wild“ haben wir uns hier im Blog immer wieder auseinandergesetzt. Nun gilt es ein neues Fass aufzumachen: „Öko-Energie vor Ökologie“ lautet der Kernsatz, mit dem sich die Folgen der sogenannten Energiewende zusammenfassen lassen.

Die jüngste Alarmmeldung kommt aus Bayern: Der ökologische Zustand der Gewässer hat sich dort massiv verschlechtert. Nur noch 15 Prozent der Bäche, Flüsse und Seen sind in einem „guten ökologischen Zustand“. Im Jahr 2009 waren noch 22 Prozent einigermaßen intakt. Heute sind 85 Prozent der heimischen Fischarten vom Aussterben bedroht.

Diese Negativ-Bilanz rechnet der bayerische SPD-Landtagsabgeordnete Harry Scheuenstuhl der Staatsregierung vor: „In den vergangenen Jahren verzeichnen wir gravierende Rückschritte im Bereich Gewässerschutz. Und die Staatsregierung macht bisher keine Anstalten, entsprechende Maßnahmen, die zu einer langfristigen Verbesserung des Gewässerzustandes führen, einzuleiten. Hier wird eine drohende Krise bewusst verschleppt!“

Ausgerechnet dort, wo DIE Natur noch einigermaßen intakt ist, werden die letzten Fließgewässer zur Energiegewinnung freigegeben

Wahr ist: Ausgerechnet dort, wo Bayerns Natur noch einigermaßen intakt ist, werden die letzten bisher leidlich unberührten Fließgewässer zur Energiegewinnung freigegeben. Bund Naturschutz und Landesfischereiverband (und sonst niemand!) klagten zwar gegen solche Naturzerstörung – aber ohne größere Rückendeckung aus der Politik.

Betroffen sind Gewässer, an denen weitere menschliche Eingriffe bis zur „Energiewende“ absolut tabu waren. Nun gilt ein durchaus fragwürdiger Nutzen mehr als der Erhalt wertvoller, streng geschützter Biotope. Das erinnert stark an die Nützlichkeitsüberlegungen, die das Leben der Wildtiere dem gewinnbringenden Holzverkauf unterordnen.

Logisch, solcher Frevel lässt sich auch unter der wohlfeilen These verkaufen, dass es um den Erhalt der Schutzwälder in den Bergen geht. Aber diese Schutzwälder ließen sich noch besser retten, wenn die hemmungslose Zersiedelung der Täler aufhört, die dem Schalenwild seine natürlichen Winterweiden nimmt.

Zur Energiewende gehört eben auch ein lukrativer Brennholz-Markt mit über Jahre explodierenden Preisen. Und ein Energiepflanzen-Anbau mit der Folge explodierender Wildschweinbestände. Das so neu entstandene und von Menschen gemachte Schalenwildproblem stellt vielerorts die Schäl- und Verbissschäden in den Wäldern längst in den Schatten.

es geht nicht allein um die Natur, sondern vor allem auch ums Geld. Und einige Tierschutzverbände spielen willig mit

Wer nachdenkt, merkt schnell, dass es nicht allein um die Natur, sondern vor allem auch ums Geld geht. Und einige Tierschutzverbände spielen willig mit. Sie sorgen sich mehr um ein paar Rotmilane und Bussarde, die durch Windräder gefährdet sind, als um den millionenfachen Tod in unseren Bienenvölkern. Sie predigen die Rückkehr der Wölfe als Allheilmittel und nehmen so billigend hin, dass Landwirte die Weidehaltung aufgeben und lieber Mais anbauen. Für den Sauenschaden kommen ja in aller Regel die Jäger auf.

Zurück zu den Gewässern: Wer leugnen will, dass auch hier die gewandelte Landnutzung eine tragende Rolle spielt, der steckt den Kopf in den Sand – oder benützt ihn nicht zum Denken. Und merkt – vor allem – nicht einmal, dass es immer mehr Normalverbraucher gibt, die fragen, warum sie für ihren Strom weit mehr Geld bezahlen müssen als die Menschen in anderen Ländern. Und dies für eine Energiewende, die den Titel „ökologisch“ wohl in weiten Teilen nicht verdient.

Dafür verdienen immer öfter die Konzerne, die schon an der Atomenergie verdienten und sich nun – ebenfalls im Zeichen der Energiewende – aus der Verantwortung für die Folgelasten verabschieden. Das Gemeinwesen ist erpressbar geworden. Bis hin zur paradoxen Situation, dass nicht nur die Verbraucher einen hohen Preis für „grünen“ Strom bezahlen, sondern auch die Natur.

Das könnte Sie auch interessieren

Folgen Sie uns!