Der Wahltag fordert Konsequenzen

Der Höhenflug der Grünen ist durch Beißreflexe nicht zu bremsen.

Ein Kommentar unseres Autors Michael Lehner zur Europawahl
Große Zuwächse der Grünen bei der Europawahl

Die Grünen profitierten bei der Europawahl vor allem vom Zuspruch der Wähler aus dem städtischen Milieu, Foto: pixel2013/mlz

Das Ergebnis der Europawahl zeigt: Pauschale Beißreflexe gegen die Grünen bringen auch die Jäger und ihre berechtigten Anliegen nicht weiter. Es ist Zeit für einen sachbezogenen Dialog – und für Bewegung auf beiden Seiten.

Wichtigstes Detail der Stimmenauszählung: Als Öko-Partei sind die Grünen auf dem Land längst nicht so stark wie in den großen Städten. Gerade dort, wo die Menschen der Natur noch näher sind, überzeugen ihre Antworten nicht so, wie es einer echten Volkspartei gut anstehen würde.

Als Machtpolitiker, die auch sie längst geworden sind, ist den Grünen dieses Defizit sehr wohl bewusst. Sie arbeiten seit geraumer Zeit daran, die Lücke zu schließen. Wenn die grüne Umweltministerin von Sachsen-Anhalt die Jagd „wichtig“ nennt für den Natur- und Artenschutz ist dies ebenso ein Signal der Annäherung wie der Wolfsabschuss in Schleswig-Holstein, verfügt durch einen Umweltminister von den Grünen.

Die Europa-Wahl lässt ahnen, dass sich neue Allianzen bilden und den Grünen dabei wohl viel Macht auch auf dem Feld der Jagd zukommen wird. Ob dann Ökos vom Schlage des gescheiterten NRW-Umweltministers Johannes Remmel zum Zuge kommen oder Realpolitiker wie Claudia Dalbert in Sachsen-Anhalt, bestimmen auch Landwirte und Jäger mit.

Es kommt nämlich nicht unerheblich darauf an, ob sich vernünftige Politik auch in Wählerstimmen rechnet. Sonst gehen die Posten an realitätsfremde Großstadt-Politiker, die ihre Wählerinnen und Wähler offenbar trotz mangelhafter Sachkunde finden.

Wenn Pro-Wolf-Gruppen und Stalleinbrecher mit Liebesentzug auf sachgerechte Realpolitik ihrer ehemaligen Lieblingspartei reagieren, tut sich eine Lücke auf, die es klug zu nützen gilt. Jäger und Bauern müssen deshalb nicht „grün“ werden (was sie ja im wahren Wortsinn schon sind), aber sie müssen klugerweise damit aufhören, selbst das zu kritisieren, was eigentlich in ihrem Sinne ist.

Zumal die aktuelle Realität der Bundespolitik zeigt, dass auch Umweltminister der Gerade-Noch-Volkspartei SPD kein Segen für den ländlichen Raum sein müssen. Da brauchte es den vollen Einsatz des größeren Koalitionspartners und der Kanzlerin, um Öko-Traumtänzer auf den Boden der Tatsachen zu holen.

Es wird in den kommenden Jahren darauf ankommen, tragfähige Kompromisse zu finden. Zwischen Naturschutz und Kulturlandschaft. Zwischen Tierwohl und bezahlbaren Lebensmittelpreisen. Und vor allem zwischen Wunschdenken und einer Realität, die auf die Normalbürger achtet. Sonst sind auch grüne Höhenflüge schnell am Ende.

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