Chaos um Damwild-Population auf Urlaubsinsel Borkum

Damhirsch im Wald

Foto: Alexander Kumpins

Erst sollten sie die Natur pflegen und jetzt sollen sie weg. Etwa 25 Damhirsche, -kühe und ihre Kälber leben auf der beliebten Urlaubsinsel Borkum und sind ein absoluter Liebling der Urlauber. Nur bei den Einheimischen ist das Damwild nicht ganz so beliebt, denn es hat Hunger und frisst gerne auch im Vorgarten oder auf dem Friedhof. Eigentlich hat es dort auch nichts zu suchen, aber Unbekannte hatten die Tiere im aus ihrem Gatter befreit, wo ein Versuch des Umweltministeriums des Landes Niedersachsen lief. Der sollte klären, ob das Wild helfen kann, die Verbuschung der Borkumer Natur zu verhindern. Seit der „Befreiung“ läuft jetzt die Debatte über das „Wohin mit dem Wild“ auf Hochtouren und es gibt Neuigkeiten.

Ein kompletter Abschuss der Population ist nicht mehr ausgeschlossen, schreiben die Bremer Nachrichten. Bisher hatte sich der Borkumer Bürgermeister Georg Lübben komplett dagegen gewehrt. Im Herbst sagte er noch: „Ich hole doch keine Tiere hier her, nur um sie später wieder zu erschießen.“ Ähnlich sah es auch immer die Borkumer Jägerschaft. Das Wild einzufangen, ist allerdings alles andere als einfach, denn es hat genug zu fressen und kann durch zusätzliches Futter kaum angelockt und danach eingegattert werden. Dazu kommt, dass ein paar Tiere zwar wieder eingefangen werden konnten, diese aber erneut von Unbekannten freigelassen wurden. Und so sieht sich die Jägerschaft jetzt vor der Aufgabe, die Tiere abschießen zu müssen.  Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Leer, Manfred Willms, sagt nämlich zurecht: „Ich hätte das Wild immobilisieren sollen, aber das ging nicht.“ Und weiter: „Die Tiere müssen im Gatter sein, sonst ist das zu gefährlich. Die fallen ja nicht gleich um, wenn sie betäubt werden“. Noch direkter drückt es ein Jagdpächter in den Bremer Nachrichten aus, der nicht namentlich genannt werden will: „Wenn ein Tier betäubt wird, geraten die anderen in Raserei. Dann muss nachdosiert werden, und die Tiere fallen tot um.“

Was bleibt? Ein gut gemeinter Versuch des niedersächsischen Umweltministeriums, Wild zur Pflege der Natur einzusetzen und eine Jägerschaft, die die entstandenen Probleme wohl ausbaden muss…

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