Bayern: Mit Kochrezepten gegen die Gänseplage

Gänse

Nicht nur im Norden werden die Wildgänse zunehmend zur Plage. Auch die Bayern werden immer mehr heimgesucht und planen amtliche Gegenwehr. Zum Beispiel mit verstärkter Werbung für den (Wild-)Gänsebraten.

Klar ist: Ein Vergasen der immer zahlreicher werdenden Vögel kommt auch in Bayern nicht infrage. Deshalb müssen es die Jäger richten. Und auch die Verbraucher, die in Süddeutschland oft gar nicht wissen, wie fein solche Gänse schmecken. Wirtshäuser rund um den fränkischen Altmühlsee sollen mit dem Jagdaufgang zum 1. August Wildgänsebraten anbieten. Die Gastwirte der Region im Süden Nürnbergs sind von der Idee bisher ziemlich begeistert

Klar ist ebenfalls: Auch die bayerischen Jäger sollen mehr über die Gänsejagd lernen. Das Programm des Münchner Landwirtschaftsministeriums sieht den Erfahrungsaustausch mit Jägern aus dem Norden vor. Denn bisher bringt die Gänsejagd die Waidmänner des Alpenvorlands eher in Verzweiflung: „Du kriegst zwei, drei Vögel. Dann kennen die anderen sogar dein Auto“, zitiert der Bayerische Rundfunk einen Betroffenen

Nach offiziellen Zahlen ist der bayerische Wildgänsebestand binnen zehn Jahren auf das Vierzehnfache angewachsen. Einst überwiegend Zugvögel auf der Durchreise, fühlen sich die Tiere zunehmend wohl im Freistaat. Aber das ärgert Bauern ebenso wie Stadtmenschen, die sich durch den Gänsekot in ihrem Freizeitgenuss an Weihern, Badeseen und Stadtparks gebracht fühlen.

„Ein Problem ist, dass im Gegensatz zu den Füchsen manche Verbraucher nicht einmal wissen, dass man Wildgänse essen kann“

In Schwandorf in der Oberpfalz gab es sogar eine Schonzeitverkürzung. Die Vögel durften bereits im Juli geschossen werden, sind aber kaum weniger geworden. Jetzt spezialisieren sich die Jäger. Nicht nur mit Nachhilfe von norddeutschen Waidgenossen, sondern auch mit dem Kauf von Lockvogel-Attrappen und Tarnnetzen. Sogar über Staatszuschüsse hierzu wird debattiert. Womöglich preisgünstiger als das Einzäunen von Liegewiesen, womit die Vögel zumindest in der Mauser ferngehalten werden. In der Zeit also, zu der sie in den Niederlanden flugunfähig zusammengetrieben und vergast werden.

Aber auch in Bayern schrecken die Gänse-Manager vor einer gewissen Heimtücke (Achtung: Ironie) nicht zurück. Im fränkischen Seenland wurden beliebte Brutinseln mit dem Festland verbunden, damit Füchse und andere Räuber an die Gelege kommen. Mit bisher durchschlagenden Ergebnissen: Der Bruterfolg auf diesen Inseln ist auf null gesunken.

Bleibt das erwähnte Problem, dass im Gegensatz zu den Füchsen manche Verbraucher nicht einmal wissen, dass man Wildgänse essen kann. Das Landwirtschaftsministerium hält mit einem sicheren Küchen-Tipp dagegen: Die Gans erst einmal im Wasser kochen, bis die Keulen weich werden – und erst dann ins Bratrohr mit dem Vogel. Ein Rezept, über das sich streiten ließe. Garen bei Niedertemperatur bringt wohl bessere Ergebnisse. Und die Lebern geben die feinste Leberpastete, die man sich nur vorstellen kann. Ganz ohne Tierquälerei, denn Wildgänse werden ganz sicher nicht „gestopft“.

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