Aiwanger im Messer-Fettnäpfchen

Der Chef der Freien Wähler pfeift in der Waffenrechtsdebatte auf politisch korrekte Wortwahl.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger Foto: © StMWi/A. Schmidhuber

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Foto: © StMWi/A. Schmidhuber

Hubsi Aiwanger hat mal wieder zugeschlagen: Der Chef der Freien Wähler glaubt, dass ein Taschenmesser-Verbot der öffentlichen Sicherheit eher schadet.

Zum besseren Verständnis gehört, dass die Angelegenheit in Bayern spielt: Dort verkleiden sich zum Oktoberfest und anderen kulturellen Bierzelt-Events selbst Touristen mit Lederhosen. Und die sind nicht echt, wenn das Seitentascherl fürs Traditionsmesser fehlt.

Lederhosen mit Messertasche – aber ohne Messer – sind auch so eine Sache. Irgendwie sogar ein Anschlag auf die Manneskraft. Trotzdem gab es keinen Volksaufstand, als das Oktoberfest aus Terror-Angst zur messerfreien Zone wurde.

Stell Dir vor, jemand nähme den Schweizern ihr rotes „Sackmesser“ (idealerweise von „Victorinox“): So müssen sich wohl auch wurzelfeste Bayern fühlen, wenn sich Unwissende an ihrer Brotzeit-Vielzweck-Waffe vergreifen. Und diesen Leidensdruck hat der Aiwanger Hubsi halt erkannt.

Original-Zitat aus der inkriminierten Ansprache zur Eröffnung der „Internationalen Jagd- und Schützentage“ auf Schloss Grünau: „Ich bin überzeugt, Bayern und Deutschland wären sicherer, wenn jeder anständige Mann und jede anständige Frau ein Messer in der Tasche haben dürfte und wir würden die Schwerkriminellen einsperren. Das wäre der richtige Weg.“

Die Empörung fiel so groß aus, dass wohl kaum jemand bedachte, wie nah Aiwanger wieder mal sein Ohr am Volke hat. Es heißt, er habe eine Wurst schon verspeist, bevor aufs ganz Korrekte schielende Politiker überhaupt Wurst sagen konnten. So ist dem Altbayern die klammheimliche Zustimmung der Stammtische auch in der Messer-Affäre sicher.

Der Politik-Mainstream diskutiert derweil, wie sich sicherstellen ließe, dass eine brave Hausfrau straffrei bleibt, wenn sie mit einem dort neu erworbenen Küchenmesser durch die Fußgängerzone läuft. Sogar Ausnahmeregeln für (dann wohl zertifizierte) Pilzsammler sind im Gespräch.

Die Wette gilt, dass sich Aiwanger klammheimlich die Hände reibt. Während die ebenfalls konservative Konkurrenz erschrocken registriert, dass selbst die sonst „Messermänner“ fürchtende AfD nichts gegen den Nicker in der Hose (weißer?) Bayern hat.

Die Kirche im Dorf zu lassen, gehört so oder so zu den Patentrezepten volksnaher Politik. So wahr das Taschenmesser gegen den Terror genauso wenig helfen wird wie ein Messerverbot. Und Juden-Hasser ihre Schusswaffen-Baupläne ungehindert aus dem Internet herunterladen. 

Unsere Meinung, selbst aufs Risiko, dass der Shitstorm losbricht: Gut gebrüllt, Jagdfreund Aiwanger.

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