Das haben Vegetarier nicht verdient

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Rechtzeitig zur Gänsebraten-Hochsaison geistert wieder mal eine Appetitverderber-Meldung durch die Medien. Diesmal sind die Vegetarier dran: Angeblich belastet ihre Ernährung die Umwelt mehr als der gemeine Fleischverzehr. Wir Jäger sind solche Milchmädchenrechnungen gewöhnt und bieten solidarischen Beistand an. Schließlich geht es bei allen diesen Attacken letztlich um die Lebensfreude und das Lebensrecht des Menschen.

Wer sich nun freut, dass zur Abwechslung mal Vegetarier und Veganer die vermeintlich durch Wissenschaft belegte Keule abbekommen, der denkt eindeutig zu kurz: Es sind die gleichen Mechanismen, die auch die Gegner und Gegnerinnen von Jagd und Jägern bemühen. Angezweifelt wird da im Kern die Existenz des Menschen, dessen Dasein allein schon den Naturhaushalt beeinflusst.

Natur hat nun mal die Eigenart, dass sich die Stärkeren durchsetzen

Nun könnten wir uns amüsiert zurücklehnen und zuwarten, bis sich am Ende die verschiedenen Lebensrecht-Fraktionen endgültig in der Wolle liegen und den Endkampf zur Frage austragen, ob Menschen und Tiere wenigstens Pflanzen fressen dürfen. Wo doch auch die Pflanzen womöglich eine Seele haben. Oder wir hauen uns Klima-Bilanzen um die Ohren, nach denen aus Fernost importierter Tofu dem heimischen Hasenbraten (nicht nur geschmacklich, sondern auch) ökologisch unterlegen sei.

Wir können aber auch versuchen, für Vernunft zu werben: Natur funktioniert nun mal nach dem Prinzip des Fressens und Gefressenwerdens – und das über die Jahrtausende der Menschheitsgeschichte gar nicht mal so schlecht. Wir sollten da vor allem auch die Frage stellen, warum rapide wachsende Naturzerstörung und das Spartendenken im Naturschutz miteinander einhergehen. Warum Generationen, die solche Gretchenfragen noch nicht kannten, offenbar weniger Natur zerstörten als die scheinbar aufgeklärte Moderne.

Ebenfalls klar: Die Erdgeschichte ist auch eine Geschichte des Artensterbens. Natur hat nun mal die Eigenart, dass sich die Stärkeren durchsetzen. Und zum Wesentlichen der menschlichen Kultur gehört das Bemühen, solche Prozesse abzumildern. Wir lassen unsere Nachbarn nicht verhungern, auch wenn sie schwächer sind. Wir kämpfen gegen Krankheiten, obwohl sie zur vermeintlich erstrebenswerten natürlichen Auslese gehören. Und wir überlassen die Bestandsregulierung der Gattung Mensch nicht den Bären oder den Wölfen.

Zur traditionell friedvollen Weihnachtszeit sollten wir unseren veganen und vegetarischen Mitgeschöpfen die Festagsfreude also nicht mit Klima-Bilanzen verderben oder gar deren Lebensrecht anzweifeln, sondern besser Brücken bauen: Wildbret wächst unter artgerechten Bedingungen vor der Haustür nach und wird weitestgehend ohne den Einsatz fossiler Energieträger geerntet. Sein Gedeihen erfordert verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Lebensräumen – und vor allem Demut. Diese ist nötig, um für die Einsicht zu werben, dass Natur nicht den Regeln folgt, die sich im Kern naturferne Traumtänzer wünschen.


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