Ich bin ein Wolfsberater

Gert G. v. Harling berichtet mit gewohnt scharfer Feder von seinen Erfahrungen als Wolfsberater

Wolf

Foto: Hans Harbig

Was ich in meiner Freizeit tue? Außer mit meinem Hund zur Jagd zu gehen, bin ich einer der weit über 100 ehrenamtlichen, vom Ministerium für Umwelt und Klimaschutz ernannten Wolfsberater.

Ich setze mich als Mitglied eines anerkannten Naturschutzvereins für Umwelt-, Arten- sowie Tierschutz ein, vor allem aber bin ich, wie erwähnt, Wolfsberater, allerdings mit abnehmender Begeisterung und zunehmender Enttäuschung.

Besondere Qualifikationen braucht man für dieses Ehrenamt nicht. Ausgeprägtes Selbstbewusstsein, Arroganz gegenüber Andersdenkenden und Affinität zu einem alternativen Lebensstil scheinen aber von Vorteil zu sein.

Für meinen freiwilligen Einsatz muss ich mich beschimpfen, und mir von in Panik geratenen Müttern, ängstlichen Hundeführern oder besorgten Schäfern die Frage gefallen lassen, warum ich in meiner Funktion nichts gegen die „bösen Räuber“ unternehme, muss mich auch gegenüber Jägern für das Verhalten des Ministeriums rechtfertigen.

Wie soll ich als Wolfsberater einer alten Frau klarmachen, dass sie 5.000 Euro Bußgeld zahlen muss, wenn sie ihren Mops in der Zeit zwischen dem 1. April und dem 15. Juli in Feld und Flur frei laufen lässt, der Wolf aber fröhlich mordend durch die Wälder ziehen darf? Oder dass derjenige, der sachdienliche Hinweise für die Ergreifung der Personen liefert, die einen Wolf geschossen hat, von einer Naturschutzorganisation 10.000 Euro Belohnung bekommt, während die Belohnung für die Ergreifung eines Kindermörders lediglich 1.000 Euro beträgt.

Oder ich werde gefragt, ob es nicht schizophren sei, wenn in Deutschland für das Töten eines Wolfes Strafen bis zu fünf Jahren Haft oder 50.000 Euro drohen, während in unseren Nachbarländern Wölfe gejagt werden dürfen, nein, gejagt werden müssen. Versucht ein Wolfsberater die Menschen zu beschwichtigen, behauptet gar vom Wolf gehe kaum eine akute Gefahr aus und es sollte trotzdem etwas Gravierendes passieren, sind sie dann die Buhmänner?

Die Politiker hüllen sich in Schweigen – argumentative Hilfestellung: Fehlanzeige.

Anfragen werden, wenn überhaupt, erst nach wochenlanger Ungewissheit, stets ausweichend und wenig hilfreich von unseren Regierungsvertretern beantwortet. Ich weiß, der Ausdruck „Wolfsberater“ aus der Feder des Niedersächsischen Umweltministeriums ist irreführend, ich berate keine Wölfe.

Ich könnte den Grauhunden zwar manchen Tipp geben, wie sie sich menschlichen Nachstellungen erfolgreich entziehen könnten, habe Wölfe geschossen, gefangen und sogar an Vergiftungsaktionen teilnehmen müssen, aber meine Erfahrungen sind von deutschen „Wolfsexperten“ nicht gefragt.

Und ein Wolf in Deutschland braucht auch keine Ratschläge, um zu überleben. Er genießt ja, anders als menschliche Einwanderer, durch die EU-Gesetzgebung ein unbeschwertes Leben bei uns.

Die Wolfsdichte ist in Niedersachsen und Sachsen mittlerweile höher als in Regionen wie Russland oder Amerika. Wölfe haben bei uns ein Schlaraffenland gefunden, leben wie die Made im Speck.

Gut, die Muffelwild-Bestände haben sie gelichtet, aber Schwarzwild gibt es im Überfluss, Schafherden grasen (noch) auf deutschen Deichen, Wiesen und Weiden, Damwild sorgt in Gehegen ebenfalls für einen reich gedeckten Tisch, und auch sonst laufen allerlei Leckerbissen, die für Abwechslung auf dem Speiseplan von Meister Isegrim sorgen, durch Deutschlands Felder und Fluren.

Harlings Jagd(B)revier: Mal ernst, mal heiter mit der Saufeder geschrieben

Ich gönne sie ihm, solange die Gesetze nicht überhandnehmen und Wölfe wie anderes Wild auch, nach bewährten Hegerichtlinien bejagt werden, nicht länger ideologisch und politisch instrumentalisiert sowie als Kuscheltier verherrlicht werden, weil sie als Prestigeobjekt dubioser Naturschutzorganisationen massenweise Spenden in die Kassen spülen und Schutzprogramme das Image der Naturschutzverbände (bei Stadtmenschen, nicht bei der Landbevölkerung!) heben.

Aus: Harlings Jagd(B)revier: Mal ernst, mal heiter mit der Saufeder geschrieben. Erschienen im Verlag Neumann-Neudamm und für 19,95 Euro im Fachhandel erhältlich.

Unsere Redaktion urteilt: Sehr lesenswert!

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